Kleine Geschichten

Der 13. als Glückstag

Die Geschichte von Stark beginnt ausgerechnet an einem 13. Man schrieb den 13. Februar 1947 als Ernst Stark, der Vater von Heinz Stark beim Magistrat der Stadt Graz die Gründung seines Furnier‑ und Plattenhandels anmeldete. Zwei Jahre nach dem Krieg war dieser Schritt wohl ein überaus mutiger. Die Wirtschaft funktionierte kaum, überall war man noch mit Aufräumungs‑ und Aufbauarbeiten beschäftigt. Mitten in diese Zeit hinein erfolgte also der Start. Das erste Domizil des eben gegründeten Unternehmens war ein etwa 50 m2 großer Raum in der damaligen Dominikanerkaserne in der Dreihackengasse, ein Areal, das nach dem Krieg verwaist war und erst aufgeräumt werden musste, um es überhaupt beziehen zu können. Der Umstand, daß sich der Raum im ersten Stock eines der Gebäude befand, ermöglichte zwar eine bessere Aussicht, war aber im täglichen Geschäft keine ideale Lösung. Dennoch: für die ersten Furnier-Bunde, die hier lagerten stimmte wenigstens das Klima. Der Raum war trocken, gerade für dieses Geschäft eine unabdingbare Voraussetzung.

50 m2 sind nicht gerade riesig. So war der Raum nicht nur Furnierlager, sondern gleichzeitig auch Büro. Parkplätze hätte es hier in der Kaserne wohl genügend gegeben, aber die waren zu diesem Zeitpunkt nicht wichtig. Denn beim Start gab es weder einen PKW noch ein Zustellauto. Die Kontakte wurden per Fahrrad und Motorrad erledigt. Auch personell war alles auf höchste Sparsamkeit bedacht. Der Start erfolgte als 1‑Mann‑Betrieb. Bald stellten sich schöne Erfolge ein, die es dem jungen Unternehmen ermöglichten, zu wachsen.

1952, als der Standortwechsei von der Dreihackengasse in die Ungergasse erfolgte, zählte man mit Stefan Kemmer, Julius Zechmeister, Johann Hauner, Franz Ferk, Josef Wolf, Franz Meister, Alois Niederl und Alice Schöne, der Schwägerin von Ernst Stark, bereits 8 Mitarbeiter.

Mit dem Handkarren nach St. Peter

Wie mühsam es zu dieser Zeit gewesen sein muss, die einzelnen Geschäfte abzuwickeln, zeigt etwa das Beispiel der Zustellung.

In den ersten Jahren des Unternehmens war der Handkarren das einzige Transportmittel. Damals gab es noch keine Platten wie im heutigen Sinne. Der größte „Luxusartikel“ zu dieser Zeit war die Sperrholzplatte, mit der man in einer Rahmenbauweise Möbel baute, sowie Tischlerplatten.

Diese Platten und die Furniere waren die wichtigsten Handelswaren, die über Firmen aus Wien und Oberösterreich geordert und per Bahn nach Graz gebracht wurden. Von hier erfolgte die „Auslieferung“ per Handkarren. Tischler aus dem gesamten Grazer Raum wurden so mit dem Notwendigsten versorgt. Geliefert wurde bis St. Peter, gute 10 km quer durch die Landeshauptstadt. Daß die Tischlereien diese mühevolle Arbeit der Anlieferung sehr zu schätzen wussten, bewies die Höhe des Trinkgeldes. Trinkgelder bis zu S 50, waren keine Seltenheit. Betriebe, die weiter von Graz entfernt waren, wurden über Frächtereien und per Bahn beliefert, was für die damalige Zeit einen revolutionären Schritt bedeutete. Auch Selbstabholung war möglich. In diesem Falle wurde die Ware sozusagen direkt vom Waggon heraus an die Tischler verkauft.

Die Übersiedelung in die Ungergasse

Bereits zu Beginn der 50er Jahre war absehbar, daß mit dem Platzangebot in der Dreihackengasse kaum eine Weiterentwicklung möglich war.

So machte man sich auf die Suche nach einem neuen Standort, der schließlich 1951 mit einer 1.200 m‘ großen Liegenschaft in der Ungergasse, unweit der Annenstraße und des Bahnhofes, auch gefunden wurde. Dieser ehemalige Sitz eines Steinmetzbetriebes bot auch für die künftige Entwicklung ‑ soweit man sie damals abschätzen konnte, genügend Möglichkeiten.

Nach sorgfältiger Planung wurde hier ein 2‑geschoßiges Gebäude mit einem praktischen Innenhof errichtet, das bereits ein Jahr später, 1952, bezogen werden konnte.

Im Vergleich zur Dreihackengasse boten die neuen Räumlichkeiten fast unendliche Möglichkeiten. Doch mit der raschen Erweiterung des Angebotes zeigten sich auch hier sehr rasch die Grenzen, so dass bereits fünf Jahre später, zwischen 1956 und 1957 ein weiterer Hallentrakt mit Flugdach gebaut werden musste.

 

Mit der Markteinführung der ersten Spanplatte 1953, begann auch das Stark‑Zuschnitt‑Service. Hier diente eine Handkreissäge, die auf Holzböcken unter dem Flugdach montiert war, als erste provisorische Zuschnitteinrichtung, die aber sehr bald durch eine leistungsfähige Säge ersetzt wurde. Auch die neue Säge wurde unter dem Flugdach aufgestellt. Ein Umstand, der gerade in kälteren Jahreszeiten nicht ganz mit heutigen Arbeitsplatzanforderungen vergleichbar ist. Man kann sich vorstellen, daß etwa im Winter bei klirrender Kälte, wenn die Finger an den Richtschienen fast kleben blieben, die Freude zum Zuschneiden keine große war‑ Um die Kollegen dennoch bei Laune zu halten, versorgte Frau Schöne die Arbeiter mit heißem Tee, der dann wieder die Herzen, die Finger und auch den Arbeitsgeist erwärmte.

Das steigende Angebot, die Einführung vieler neuer Produkte und auch die immer größer werdende Nachfrage führten schließlich zwischen 1962 und 1964 zu einer weiteren baulichen Vergrößerung. Dabei wurden von der Kolinal‑Import weitere 800 M2 Grund hinzugekauft, wobei die Bebauung der Fläche ebenso zweistöckig erfolgte.

Wie die Furnier Bunde in der Ungergasse in den ersten Stock gelangten

Dies bedeutete für Stark natürlich auch eine entsprechende Herausforderung. Wie schon in der Dreihackengasse wurden auch in der Ungergasse die Furnier‑Bunde im 1. Stock gelagert. Dabei gab’s zwar niemals Probleme beim Verkauf, der ohnehin bundweise erfolgte, wohl aber mit dem Einräumen. Denn dies geschah zu dieser Zeit natürlich nur händisch. Dabei wurden die Furniere außen am Gebäude hoch gehievt und über den Balkon ins Lager gebracht. Um diese Arbeit auch bei Regen mit äußerster Sorgfalt erledigen zu können, gab es sogar über dem Balkon eine spezielle Markise, die bei Schlechtwetter ausgefahren wurde.

Das erste Auto

Mit der Übersiedlung in die Ungergasse und der guten Geschäftsentwicklung wurde auch die raschere Zustellung mehr und mehr ein Thema. Gleich kurze Zeit nach dem Bezug des neuen Standortes wurde auch der Schritt der Motorisierung gesetzt.

Der erste Transporter war ein gebrauchter Tempo, damals eine überaus beliebte Marke, gekauft von einer Krautverarbeitungsfirma. Bereits ein Jahr später leistete man sich einen Hanomag. So konnten nunmehr Auslieferungen durch eigenen Transport bis ins Südburgenland erfolgen.

Mit der Motorisierung kamen verständlicherweise auch Pannen und Unfälle, die Gott sei Dank immer glimpflich verliefen. So verlor einmal ein LKW ein Hinterrad. Der Wagen sackte ab und die ganze Ladung ging über Bord. Ein anderes mal streikte ein Auto mitten auf der Kreuzung am Jakominiplatz.

Ein Polizist half den Wagen aus dem Kreuzungsbereich zu schieben. Ebenfalls glimpflich verlief der Vorfall mit einer Ladung von Kunststoff‑Platten. Ausgelöst durch eine Bremsung „sausten“ die Platten von hinten durch’s Führerhaus ‑über den Kopf des Fahrers. Dabei wurde zwar die Mütze des Fahrers rasiert, sonstige Verletzungen gab’s keine.

Daß Zustellen auch eine gesunde Konkurrenz auslösen kann, zeigten die Chauffeure Gruber und Peric über viele Jahre. Die beiden hatten immer den Ehrgeiz, Touren schneller zu erledigen als der andere, zeigten aber große Verantwortung im Straßenverkehr.

Wie man den Streik umging

Nicht immer war das soziale Gefüge in Österreich so friedlich wie heute. Die 50er und 60er Jahre waren trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs auch Jahre, in denen die Gewerkschaft ihre Muskeln zeigte.

So etwa 1961 als man bundesweit einen Arbeiterstreik vollzog, von dem auch Stark betroffen war. Da die Mitarbeiter von Stark mit dieser Aktion nichts gemein hatten, wurde im Betrieb unbeeindruckt weitergearbeitet. Um diese Haltung zu stoppen, zog man seitens der Gewerkschaft vor dem Einfahrtstor Streikposten auf, die die Arbeit unterbinden sollten. Als einer der Chauffeure sich schließlich mit seiner Ladung auf Tour machen und das Tor passieren wollte, sprangen die Streikposten auf den Wagen auf und drohten „Steig aus, oder wir machen ernst!“, woraufhin der Chauffeur verständlicherweise sein Vorhaben abbrach und den Vorfall im Büro meldete. Dies hörte auch der damalige Buchhalter von Stark, Kurt Lorber, der ebenfalls einen C‑Führerschein besaß und sich spontan bereit erklärte, die Fuhre zu übernehmen. Da Herr Lorber als Handelsangestellter vom Streik nicht betroffen war, mussten auch die Streikposten den Mann zähneknirschend fahren lassen, wodurch es dann möglich war, fristgerecht zu liefern.

Das Problem mit dem Einfahrtstor

Der neue Standort Ungergasse erwies sich trotz immer wiederkehrender Platzprobleme als eine gute Wahl. Mit der Zunahme der Motorisierung und den immer größer werdenden LKW’s gab es jedoch hier einen sehr gravierenden Schwachpunkt: Das Einfahrtstor.

1951, im Zuge des ersten Hallenbaus errichtet und damals auf den größten LKW über den die Spedition Schigert + Kern verfügte, ausgelegt, zeigte sich bald, daß die Torhöhe den modernen Anforderungen nicht mehr ganz entsprach. Ein Umbau wäre nur unter enormem Aufwand möglich gewesen. So blieb man eben bei der gegebenen Situation, die oft zufolge hatte, dass ganze Ladungen auf der Straße abgeladen und händisch ins Lager transportiert werden mussten. Allen Lieferanten war das Stark Tor ebenfalls längst bekannt. Gab es eine Lieferung für Stark, musste immer der niedrigste LKW beladen werden.

Wie folgenschwer es sein konnte, mit dem falschen LKW zu Stark zu kommen, zeigte sich bei einer Spanplattenlieferung. Mit dem großen Gewicht der Spanplatten auf der Ladefläche gelang es dem LKW zwar die Einfahrt zu passieren, nach der Löschung der Ladung war er aber leider um gut 10 cm zu hoch, so dass es für ihn keine Chance gab, das Areal ohne größeren Schaden zu verlassen. Trotz zahlreicher Tricks wie Luft aus den Reifen lassen oder Beschwerung der Ladefläche gelang es nicht, den LKW durch das Tor zu bringen, so dass nur die Möglichkeit blieb, das Kopfsteinpflaster im Einfahrtsbereich zu entfernen. Gesagt, getan. Mit einem guten halben Tag Verspätung gelang schließlich die Ausfahrt und der Rückfahrt ins Werk stand nichts mehr im Wege.

Das niedere Einfahrtstor blieb auch für Stark über mehr als zwei Jahrzehnte ein entscheidender Faktor beim LKW‑Kauf. Fahrzeuge mit höherem Ladeflächenaufbau schieden gleich im voraus aus.

LKW Fahrer über „Autofahrer unterwegs“ gesucht

Mehr und mehr nahm der Verkauf professionellere Formen an. Außendienstmitarbeiter betreuten ganz bestimmte, bis ins Detail abgesprochene und zugeteilte Gebiete. Die getätigten Aufträge wurden täglich persönlich in die Ungergasse gebracht und mit Frau Schöne abgesprochen, die auch die Auslieferung koordinierte. Daß es dabei nicht bei einem Geschäftsschluss um 18 Uhr bleiben konnte, versteht sich von selbst. Oft kam der letzte erst gegen Mitternacht von der Tour. Um jedoch für den nächsten Morgen die Auslieferung veranlassen zu können, musste man schon um 6 Uhr starten. Ansonsten wären wohl die Chauffeure erbost gewesen. Aber auch für die Chauffeure, die gleichzeitig Zusteller und Kassierer waren, war diese Zeit kein Honiglecken. Meist musste die gelieferte Ware bei den Firmen selbst abgeladen werden. Wenn man Glück hatte, half ein Lehrling. Und nicht selten musste erst der Platz für die Lieferung frei gemacht werden, bevor man die Ladung an das Unternehmen brachte.

Das Thema „Barkassa“ nahm ein einziges Mal ein eben neu eingestellter Fahrer sehr persönlich. Er machte sich mit seiner gesamten Tageslosung und dem LKW einfach aus dem Staub. Besorgt um das Wegbleiben von Fahrer und LKW wandte man sich an den ORF, um über die damals viel gehörte Sendung „Autofahrer unterwegs“ eine Suchaktion zu starten. Aber siehe da, beim ORF gab’s ebenfalls Vorauskassa. Bevor die Kosten für den Aufruf nicht überwiesen sind, können wir nichts tun“ hieß es lakonisch. So wurde telefonisch überwiesen und danach die Suchmeldung vollzogen. Das Ergebnis war, daß man den LKW zwar in Leoben unversehrt fand, der Fahrer und die Losung aber waren aber längst über alle Berge.

Der Tischler-Ball

Die enge Zusammenarbeit mit den steirischen Tischlern führte ab 1956 auch zu einer Partnerschaft der besonderen Art. Fast zwei Jahrzehnte lang ‑ bis 1975, war Stark einer der Partner des jährlich im Brauhaus Puntigam stattfindenden Tischler‑Balles, der zu den ganz großen Ballereignissen des Landes zählte. Dieser Ball war natürlich auch für die gesamte Belegschaft, die in den 60er Jahren erstmals die 40er „Schallmauer“ überstieg, ein Pflichttermin. Gefeiert wurde wie’s steirischer Brauch war. In den ersten Jahren im Hilmteichschlößl, jeweils freitags, später dann im Brauhaus Puntigann. Gerade in den ersten Jahren war es da keine Seltenheit, daß man direkt vom Ball in die Arbeit ging.

Vom Betriebsausflug direkt zur Arbeit

Direkt vom Flugzeug ins Geschäft hieß es auch bei einem der jährlichen Betriebsausflüge, die viel dazu beitrugen, Teamgeist, Zusammenhalt und gegenseitiges Engagement im Betrieb zu stärken. Ziele waren dabei unter anderem der Wörthersee, das Burgenland, Rom, Dubrovnik und Tunesien. Wobei eben der Ausflug nach Rom wohl allen gut in Erinnerung blieb. Schon beim Hinflug gab es große zeitliche Verzögerungen. Die Tage in Rom waren herrlich, doch am Tag vor dem Rückflug war alles unsicher. Niemand konnte mit Sicherheit sagen, wann die Maschine tatsächlich starten konnte. Es war Sonntagnachmittag und am nächsten Morgen ein normaler Arbeitstag. Schon wurde die Alternative überlegt, per Bus nach Graz zurückzureisen, um rechtzeitig zum Aufsperren da zu sein. Dann doch die Zusage: Die Maschine fliegt. Schließlich wieder warten und warten. Als es dann doch klappte, war es bereits so spät, daß die gesamte Belegschaft vom Flughafen gleich ins Geschäft fuhr um die Kunden nicht warten zu lassen. Es ist wohl zu vermuten, daß der gewohnte Service Standart an diesem Montag nur teilweise gehalten wurde. Die tatsächliche Heimfahrt konnte so erst nach Geschäftsschluss erfolgen.

Das Zeitalter der Technisierung

Hand in Hand mit dem Wachsen des Unternehmens, ging auch die Technisierung. So war man bei Stark ganz besonders stolz darauf, stets den neuesten Mercedes‑Typ als Transportmöglichkeit zu haben. Und auch im Service wurde stets auf die neuesten Entwicklungen gesetzt.

Ähnliches galt auch für die Auftragsbearbeitung, wo 1964, im Jahr als in Innsbruck die olympischen Winterspiele in Szene gingen, die Computer Einzug hielten. Die ersten Modelle waren dabei noch recht abenteuerlich mit Lochkarten ausgestattet, doch auch hier ging die Entwicklung rasant voran. Bereits 18 Jahre früher, 1948, gab es bei Stark den ersten elektrischen Rechner, der Marke Facit, zu einer Zeit also, wo andere noch die E‑Installation überlegten. Zu dieser Zeit gab es diesen Rechner nur dreimal in Graz. Bei der Nationalbank, in der CA und eben bei Stark.

In den 60er Jahren hielt die Technisierung auch bei den schweren Arbeiten Einzug. 1969 kam der erste Deichsel‑Stapler, mit dem das Entladen vom LKW von einer Person in der selben Zeit erfolgen konnte, wo vorher 6 starke Männer nötig waren. Um die Kapazität dieses Staplers noch weiter zu erhöhen, entwickelte man bald einen Trick. Mit 4 Mann auf dem Batteriekasten konnte der Stapler das Doppelte leisten, ohne nach vorne überzukippen.

1965: Trauer um Firmengründer Ernst Stark

Die 60er Jahre brachten dem Unternehmen viel neues Vertrauen. Die besondere Betreuung der Kunden, der Einsatz der Mitarbeiter und die gute Qualität waren dazu eine ausgezeichnete Basis. Im September 1965 stockte der Belegschaft und allen, die mit Stark in Verbindung standen der Atem. Ernst Stark, der Gründer des Unternehmens war tot. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Zur tiefen Trauer und Betroffenheit gesellte sich auch das dumpfe Gefühl der Unsicherheit um den Betrieb. Die Zeit danach ohne den Mann, der tagein, tagaus die Vorgaben lieferte, wurde zur schwersten der Firmengeschichte. In den folgenden Monaten ruhte ein Großteil der Verantwortung auf Tochter Gertrude und Frau Schöne, der Schwägerin des Firmengründers, die das Unternehmen durch die schwere Zeit brachten. Dadurch war es möglich, daß Sohn Heinz sein Holzstudium im bayrischen Rosenheim fortsetzen und abschließen konnte, um im März 1967, eineinhalb Jahre nach dem Tod des Vaters die Leitung der Firma zu übernehmen.

Als der Großhandel in die Augasse übersiedelte

Die rasante Zunahme des Warenangebotes, die Idee in der Ungergasse den Detailhandel zu forcieren und der Umstand, daß man nach dreimaliger Erweiterung am bestehenden Standort an die Grenzen gekommen war, führten schließlich dazu, den Großhandel aus dem Standort Ungergasse hinaus in ein leicht erreichbares Areal zu verlegen.

Ein Grundstück in der Augasse im nördlichen Teil von Graz, verkehrstechnisch gut erschlossen, bot sich schließlich für dieses Vorhaben an. Innerhalb kürzester Zeit entstand hier ein ‑ für die damaligen Verhältnisse einzigartiger Großhandel, mit Lagermöglichkeiten, die bis dahin unbekannt waren. So konnte hier ein LKW‑Zug durch die Halle fahren und die Lieferung exakt am richtigen Platz ablegen.

Spezielle Seitenstapler ‑ ein echtes Novum ‑ besorgten Ladung und Entladung. Da es zu diesem Zeitpunkt Regale in gewünschtem Ausmaß und in der geplanten Ausführung noch nicht gab, wurden diese von den Stark „Eisen‑Experten“ Matthias Gruber und Karl Riedl selbst geplant und gebaut. Diese Regale verfügten über die Besonderheit, daß man auf einer Höhe von 2 m den Vorrat von bestimmten Platten lagern konnte, während der untere Teil so beschaffen war, daß Platten auch händisch entnommen worden konnten.

Dieser neu geschaffene Großhandel, bei dem nunmehr auch die Tore so groß waren, daß jedes Einfahrtsproblem ausgeschlossen war, ging am 2. Jänner 1971 in Betrieb. Mit der Übersiedlung gab’s wieder mehr Platz in der Ungergasse. Dieser wurde für die Einrichtung des Detailhandels genützt, wobei Stark das erste Holz‑Fach‑Unternehmen der Steiermark war, in dem Waren zur Selbstbedienung angeboten wurden.

Wie das Holzfachzentrum in der Harter Straße entstand

Trotz der Trennung von Großhandel und Detailgeschäft zeigte sich bald, daß eine kontinuierliche Weiterentwicklung in der Ungergasse auf längere Sicht wenig Aussicht auf Erfolg hatte. Dazu kam, daß mit der Aufnahme von Schnittholz zehn Jahre nach dem Bau auch der Großhandel in der Augasse aus allen Nähten platzte.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort mit rund 20.000 m2 Grundfläche und guter Lage bot sich schließlich in der Harterstraße bei Don Bosco eine ideale Möglichkeit. Nach eingehender Planung konnte hier im Feber 1982 exakt 35 Jahre nach der Gründung des Unternehmens der Spatenstich zu einem neuen, zukunftsweisenden Projekt erfolgen. In drei Ausbaustufen entstand hier zwischen 1982 und 1993 das größte Holzfachzentrum des Landes.

Heute sind hier sowohl der Holzfachmarkt als auch Teile des Großhandels untergebracht, wobei damals der Standort Augasse als Schnittholz ­und Furnierzentrum erhalten blieb. Der erste Teilabschnitt des neuen Zentrums ging 1983 in Betrieb. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte die gesamte Übersiedlung von der Ungergasse in die Harter Straße. Dabei sorgte insbesondere der Transport der Regale von der Augasse in die Harter Straße für Aufsehen. Hier mussten sogar die Oberleitungen der Straßenbahn gehoben werden um die Durchfahrt zu ermöglichen. Die erste Ausbaustufe umfasste 7.500 m2 Betriebsfläche, von der 1.500 m2 dem Detailhandel vorbehalten waren.

Einige Jahre später erfolgte bereits die zweite Ausbaustufe, die dem Detailhandel zusätzliche 1.000 m2 Betriebsfläche brachte. Schließlich konnte 1993 mit der dritten Erweiterung, die heutige Größe von rund 10.000 m2 geschaffen werden, auf der heute sowohl der Großhandel als auch der Detailhandel abgewickelt werden. Besonders spektakulär verlief dabei übrigens die Verfrachtung der alten Regale in die neuen Räumlichkeiten.

Um sich nicht die Mühe machen zu müssen, wochenlang Regale auszuräumen und zu dokumentieren, setzte man erstmals Luftkissen für die Überstellung ein, mit deren Hilfe einzelne Regale bis zu 10 Meter Länge in vollem Präsentationszustand verschoben werden konnten. Dieses Experiment, das niemals zuvor probiert wurde, war bis zum Schluss ein Unsicherheitsfaktor, letztendlich funktionierte dies aber großartig.

Neue Wege der Vermarktung

Mit der Realisierung der dritten Ausbaustufe begann 1993 auch ein neuer Weg der Öffentlichkeitsarbeit. Der Stark Holzbär, 1971 als Firmen-Maskottchen eingeführt, wurde überarbeitet und zu neuem Leben erweckt. Bereits während der Bauphase wurden vielfältige Marketingaktivitäten gesetzt. Eine davon war die Gleichenfeier gemeinsam mit Kunden, Lieferanten und Professionisten, die sich zu einem vollen Erfolg gestaltete.

Aus Anlass der Eröffnung wagte man schließlich einen Schritt, den es bislang in Graz im Bereich der Werbung noch nicht gegeben hatte. Auf über 200 Plakatstellen wurde der Bär als Stark‑Firmenzeichen 3‑dimensional über die Wände montiert und so das Wachsen zum größten Holzfachzentrum des Landes dokumentiert. Auch in den Jahren darauf sorgte die Stark Sommerkampagne immer wieder für große Aufmerksamkeit.

Die Holzfachgalerie als permanente Schau

Ein weiterer für die Steiermark einzigartiger Schritt wurde mit der Schaffung der Stark Holzfachgalerie gesetzt. Auf rund 600 M2 ist so ‑ mitten im Stark Holzfachmarkt ‑ eine permanente Schau entstanden, in der Kunden und Besucher die neuesten Trends im Bereich der Holzverarbeitung und des Wohnens mit Holz begutachten können. Auch hier gab es 1994 bei der Eröffnung dieses Zentrums mit einer speziellen Plakatkampagne viel Aufsehen.

 

Für viel Interesse bei den steirischen Tischlern und Zimmerleuten sorgte auch die Stark Hausmesse, die 1994 im Stark Holzfachzentrum in der Harterstraße und 1995 im Schnittholz‑ und Furnierzentrum in der Augasse über die Bühne ging.

Jeweils an die 300 Professionisten konnten sich dabei über neueste Entwicklungen an den Kojen der Stark‑Lieferanten informieren.

Ein Weg, der sich als überaus effizient und wirkungsvoll erwies. Dabei trug auch die Verknüpfung der Veranstaltung mit Referaten bzw. die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch viel zum Erfolg bei. Ein Ereignis, das unserem Holzfachzentrum bei Tischlern und Zimmerleuten noch mehr Zustimmung brachte.